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Vorwort des Vorstandsvorsitzenden

Mag. Dr. Peter Untersperger

Das Geschäftsjahr 2012 brachte marktseitig nach dem Boomjahr 2011 eine Rückkehr zur Normalität. Lenzing konnte dennoch neue Rekordproduktions- und -verkaufsmengen erzielen und erwirtschaftete das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte.

Im Geschäftsjahr 2013 feiert Lenzing sein 75-jähriges Bestandsjubiläum. Dieses Ereignis ist ein gute Gelegenheit, die Entwicklung unserer Gruppe im langfristigen Zusammenhang zu sehen. Betrachtet man das Geschäftsjahr 2012 unter diesen Aspekten, so lässt es sich als ein erfolgreiches Jahr in einem schwierig gewordenen Markt­umfeld beschreiben. Eine Situation, die Lenzing in den vergangenen 75 Jahren mehrmals zu meistern hatte. Durch Innovationskraft, Qualitätsprodukte, globale Präsenz und dynamisches Wachstum konnte Lenzing so wie in den vielen Jahren zuvor auch 2012 den Markt für Man-made Cellulosefasern aktiv mitgestalten und weiterentwickeln. Und ebenso galt auch 2012 unsere Grundregel, dass kurzfristige Markt- oder Konjunkturschwankungen die grundsätzliche Strategie der Lenzing Gruppe als erfolgreicher Cellulosefaserhersteller nicht beeinflussen.

Lenzing verfolgt eine langfristig orientierte Wachstumsstrategie im Kerngeschäft Man-made Cellulosefasern. Eine Reihe von sozio-ökonomischen Megatrends sprechen dafür, dass die Nachfrage nach unseren Fasern auch in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird. Bevölkerungswachstum, der Wohlstandszuwachs in den Emerging Markets und die steigende Nachfrage nach umweltfreundlich hergestellten Fasern aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen sind und bleiben die wichtigsten Wachstums­treiber für unser Geschäft. Daran ändern auch kurzfristig schwächere Wachstumsraten in den Emerging Markets nichts, wie wir sie 2012 gesehen haben.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012 war ein deutlicher Angebotsüberhang bei Baumwolle feststellbar, der wichtigsten cellulosischen Faser für textile Anwendungen. Möglicherweise wird dieses Überangebot aufgrund der hohen Lagerbestände sogar noch weiter anhalten. Aber auch dies sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass langfristig viele Argumente für industriell hergestellte Cellulosefasern sprechen. Der Wettbewerb der begrenzten agrarischen Anbauflächen zwischen Baumwolle einerseits, sowie Nahrungs-, Futtermitteln und Biokraftstoffen andererseits, hat sich 2012 fortgesetzt. Man-made Cellulosefasern werden aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz hergestellt. Holz konkurriert nicht mit dem Anbau von Lebens- oder Futtermitteln. Der Wasserverbrauch der Baumwollerzeugung liegt ein Vielfaches über dem von Man-made Cellulosefasern. Die Umweltbelastung durch die Baumwollproduktion ist über den Lebenszyklus erheblich höher als bei unseren Faserprodukten.

Es ist somit keine Überraschung, dass die globale Produktion von Man-made Cellulosefasern 2012 mit 6,8 Prozent auch signifikant stärker anstieg als der Fasergesamtmarkt und auch beinahe doppelt so stark zunahm wie die Produktion aller industriell hergestellten Fasern. Die Marktentwicklung 2012 hat bewiesen, dass unsere Strategie selbst in einem sehr schwierigen konjunkturellen Umfeld fundamental gut abgesichert ist. Lenzing profitiert von den langfristigen Effekten des „Cellulose Gap“, der tendenziellen Angebotslücke bei cellulosischen Fasern in der Zukunft.

In der Umsetzung unserer Wachstumsstrategie haben wir 2012 drei wichtige Meilensteine gesetzt: den Baubeginn der neuen TENCEL® Produktionsanlage am Standort Lenzing, die Erweiterung unserer TENCEL® Kapazitäten in den USA sowie den erfolgreichen Start der fünften Produktionslinie bei unserer indonesischen Tochter PT. South Pacific Viscose (SPV). Der Umstand, dass SPV nicht nur die größte Lenzing Faserproduktionsstätte, sondern auch das größte Viscosefaserwerk der Welt ist, hat mehr als nur symbolische Bedeutung. Es ist das Ergebnis unserer seit vielen Jahren betriebenen klaren Fokussierung auf den dynamischen Wachstumsmarkt Asien. Dieser Asienfokus schließt aber nicht aus, dass wir Spezialitäten und attraktive Nischenprodukte weiterhin in den westlichen Industriestaaten herstellen und vermarkten. Dies betrifft insbesondere Fasern für den Nonwovens-Sektor, aber auch für den technischen Einsatzbereich.

Auch in der Absicherung unserer Zellstoffversorgung haben wir 2012 wichtige Zwischenziele erreicht. Der Umbau unseres Zellstoffwerkes in Paskov (Tschechische Repu­blik) zu einem Faserzellstoffwerk ist zu einem Gutteil abgeschlossen. Zudem haben wir die Kooperation mit unseren langjährigen Partnern weiter vertieft. Mit einem physischen Eigenversorgungsgrad bei Zellstoff von rund 50% und den langfristigen Lieferverträgen fühlen wir uns gut aufgestellt. Wir werden daher unter Berücksichtigung der derzeit ausreichenden Verfügbarkeit von Faserzellstoff am Weltmarkt den kurzfristigen Investitionsschwerpunkt eher auf den Faserbereich legen. Langfristig bleibt ein Eigenversorgungsgrad bei Zellstoff von rund zwei Dritteln unser Ziel, in Abhängigkeit von der Kosteneffizienz solcher Anlagen.

Ich möchte das 75-Jahre-Bestandsjubiläum zum Anlass nehmen, all den Menschen meinen Dank auszusprechen, die den Erfolg unseres Unternehmens ermöglicht haben. Dieser Dank gilt zunächst unseren Kunden und Partnern. Mit vielen von ihnen arbeiten wir schon über viele Jahre zusammen. Es gibt weltweit nur wenige Unternehmen wie Lenzing, wo sich diese Zusammenarbeit über Jahrzehnte erstreckt. Viele Kunden von Lenzing sind Familienbetriebe, die bereits in der zweiten oder dritten Generation mit unserem Unternehmen zusammenarbeiten. Weiters gilt mein Dank all unseren Mitarbeitern – jenen, die früher für Lenzing tätig waren, jenen die heute unsere Mitarbeiter sind, und vor allem jenen vielen Lenzingern, die erst in der jüngsten Vergangenheit den Weg zu unserem Unternehmen gefunden haben. Diese vergangenen 75 Jahre wären ohne den „Lenzing Spirit“, mit dem unser Teamgeist und unsere einzigartige Einsatzbereitschaft umschrieben wird, nicht bewältigbar gewesen. Dank gilt auch den vielen Führungskräften, Altvorständen und Betriebsräten, die dank ihrer Weitsicht und Kooperationsfähigkeit das Entstehen dieser Lenzing erst ermöglicht haben. Mein Dank gilt auch allen unseren Partnern in Politik und öffentlicher Verwaltung, in Österreich und insbesondere in Oberösterreich, für die gute Kooperation und das Verständnis für die Anliegen unseres Unternehmens in den vergangenen Jahrzehnten. Die Zusammenarbeit war nicht immer leicht und konfliktfrei. Mir ist bewusst, dass Lenzing als großes Unternehmen der Chemie- und Zellstoffindustrie in all diesen Jahren ein hohes Maß an Aufmerksamkeit forderte. Letztlich möchte ich mich bei unserem Kernaktionär, der B & C Gruppe, und der Vielzahl von Aktionären, Kapital- und Kreditgebern bedanken. Sie alle sichern durch ihr hohes Maß an Vertrauen in unser Unternehmen die Basis für eine erfolgreiche Zukunft und ermöglichen Lenzing, seine langfristige Strategie konsequent und nachhaltig umzusetzen.

 

Ihr

Unterschrift Peter Untersperger

Peter Untersperger