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Konzernlagebericht

Allgemeines Marktumfeld

Allgemeines Marktumfeld

Weltwirtschaft1

Die Weltwirtschaft entwickelte sich im Jahr 2012 schwächer als noch Anfang des Jahres erwartet. Für das Berichtsjahr nannte der Internationale Währungsfonds (IWF) zuletzt ein durchschnittliches globales Wachstum von 3,2% (nach 3,9% im Jahr 2011). Europa stand im gesamten Berichtsjahr im Zeichen der Staatsschuldenkrise, in deren Folge Einsparungsprogramme, insbesondere in den Peripheriestaaten, zum Schrumpfen der Wirtschaft führten. Diesen Nachfrageeinbruch aus Europa konnten selbst aufstrebende Entwicklungs- und Schwellenländer nicht durch ihre Inlandsnachfrage ausgleichen.

Für die westlichen Industriestaaten berechnete der IWF für 2012 ein BIP-Wachstum von nur 1,3% (nach 1,6% 2011). Während die Wirtschaft im Euroraum 2012 um 0,4% schrumpfte, konnten die USA eine Expansion um 2,3% erzielen. In den Entwicklungs- und Schwellenländern wuchs die Wirtschaft im Jahr 2012 laut IWF-Berechnungen um 5,1% (nach 6,3% im Jahr 2011).

Für 2013 prognostiziert der IWF ein durchschnittliches Wachstum der Weltwirtschaft um 3,5%. Die Wirtschaft der westlichen Industriestaaten soll laut IWF 2013 um 1,4% zulegen. Das Sorgenkind bleibt dabei die Eurozone, die 2013 erneut um 0,2% schrumpfen soll. In den USA erwartet der IWF für 2013 eine stabile Entwicklung mit einem BIP-Wachstum von 2,0%. Die Wachstumstreiber der Weltwirtschaft bleiben damit einmal mehr die Entwicklungs- und Schwellenländer mit einem geschätzten Plus von 5,5% im Jahr 2013. Besonders starke Impulse für das globale Wirtschaftswachstum sollen laut IWF-Prognose mit BIP-Wachstumsraten zwischen 7% und 8% erneut von China und Indien kommen.

Weltfasermarkt

Nur leichtes Wachstum der Welt-Faserproduktion

Das Wachstum der Welt-Faserproduktion wurde im Geschäftsjahr 2012 im Gegensatz zur kräftigen Dynamik der beiden vorangegangenen Jahre von der anhaltend schwachen Konjunkturentwicklung deutlich gedämpft.

Nach ersten Schätzungen2 betrug der Anstieg der Welt-Faserproduktion im Berichtsjahr nur mehr 1,2% von 81,0 Mio Tonnen auf 82,0 Mio Tonnen, nach einem Anstieg um 6,4% im Jahr zuvor. Das leichte Wachstum fand in den Emerging Markets statt, allerdings wirkte sich die lahmende Konjunktur in den westlichen Industriestaaten auf die Textilexporte Asiens stark dämpfend aus. So wuchsen die chinesischen Textil- und Bekleidungsexporte im Jahr 2012 nur mit einem Plus von 2,8% auf USD 254 Mrd und damit wesentlich moderater als in den Vorjahren3, als noch zweistellige Prozent-Zuwachsraten verzeichnet wurden. Im Gegensatz zu früheren Jahren konnten die asiatischen Binnenmärkte die rückläufige Nachfrage aus dem Exportgeschäft nicht ausgleichen, was 2012 insgesamt zu einer sehr schwachen Marktsituation für die gesamte Textilfaserindustrie führte.

Rückgang der Baumwollproduktion

Die Baumwollproduktion sank 2012 nur um rund 4,8% von 27,3 Mio Tonnen im Vorjahr auf 26,0 Mio Tonnen, womit die Produktionsmenge 2012 jener der Jahre 2006 und 2007 entsprach. Ursprünglich war für 2012 eine deutlich geringere Baumwollproduktion erwartet worden. Weiters gingen die Baumwollpreise nach den Höchstständen des Kalenderjahres 2011 ab dem zweiten Quartal 2012 noch einmal deutlich zurück. Damit hat sich Baumwolle im Jahr 2012 vom aktuellen Zyklus der Agrar-Commodities abgekoppelt.

Andererseits lag die Produktion 2012 neuerlich über dem tatsächlichen Verbrauch, was zu einem weiteren Anstieg der Baumwolllager führte. Bis Abschluss der Erntesaison 2012/13 wird nach Expertenschätzungen mit einem Anstieg der Baumwolllagerbestände auf einen neuen Rekordwert von 16,7 Mio Tonnen gerechnet, was einer Stock-to-Use-Ratio4 von 71% entsprechen würde. Der Großteil der Baumwolllagerbestände befindet sich nach Meinung von Marktexperten in China.

Wolle stagnierte wie in den Jahren zuvor bei einer Jahresproduktion von rund 1 Mio Tonnen.

Deutlich steigende Chemiefaserproduktion

Trotz der verhaltenen Gesamt-Fasernachfrage stieg im Jahr 2012 die globale Chemiefaserproduktion nach vorläufigen Zahlen neuerlich um 4,4% von 52,6 Mio Tonnen auf 54,9 Mio Tonnen, einen neuen Rekordwert, an. Rund drei Viertel der Chemiefaserproduktion entfielen auf die Synthesefaser Polyester, wo ein Zuwachs um 4,1% erreicht wurde. Stark gestiegen ist zudem die Produktion von Polyamidfasern (plus 3,8%), Polypropylen stagnierte und die Produktion von Acrylfasern sank um 4,0%.

Die stärksten Steigerungsraten gab es 2012 in China mit plus 7,6%. Mit einer Jahresproduktion von rund 35,5 Mio Tonnen erzeugte China 2012 beinahe zwei Drittel aller Chemiefasern weltweit. Die Chemiefaserproduktion stieg auch in Indonesien, den USA und Korea an, Rückgänge waren dagegen in Taiwan, Japan und Westeuropa zu verzeichnen.

Überproportionales Wachstum bei Man-made Cellulosefasern

Deutlich stärker als der globale Gesamt-Fasermarkt und überproportional zur globalen Chemiefaserindustrie wuchs die Produktion von Man-made Cellulosefasern. Mit rund 5 Mio Tonnen und einem Zuwachs von 6,8% gegenüber dem Vorjahr wurde 2012 ein neuer Produktionsrekord erzielt. Davon entfielen rund 3,66 Mio Tonnen auf Cellulose-Stapelfasern, was einem Zuwachs von 9,2% entsprach. Neue Produktionskapazitäten kamen 2012 vor allem in China und Indonesien auf den Markt.

Sinkende Faserpreise

Der Baumwollpreis, der als Benchmark für die gesamte Faserindustrie gilt, war 2012 zum Halbjahr von einem deutlichen Abwärtstrend geprägt. Der Cotton „A“ Index startete im Geschäftsjahr 2012 bei 96,7 US-Cent/Pfund. Ab Jahresmitte pendelte der Preis zwischen rund 80 und 85 US-Cent/Pfund und beendete das Jahr mit 83,0 US-Cent/Pfund. Dies entsprach einem Rückgang von rund 14%. Der Jahresdurchschnittspreis lag mit 88,9 US-Cent/Pfund gut 40% unter dem Vorjahres-Vergleichswert. Trotz der hohen Lagerbestände lag der Durchschnittspreis 2012 jedoch substanziell über den Tiefstständen der vergangenen Jahre, was auf die langfristige strukturelle Veränderung des Baumwollmarktes zurückzuführen ist. Zum Jahreswechsel 2013 war ein leichter Preisanstieg bei Baumwolle feststellbar.

In China verfolgte die Regierung 2012 bei Baumwolle eine rigide Schutzpolitik zugunsten der chinesischen Baumwollproduktion und setzte Einkaufspreise fest, die mehr als ein Viertel über den Weltmarktpreisen lagen. Zusätzlich erfolgte 2012 ein massiver Aufbau von Lagerbeständen in China.

Aufgrund der gegenüber dem Vorjahr deutlich niedrigeren Weltmarktpreise für Baumwolle kamen auch alle anderen Fasern unter Druck. Die Preise für Polyesterstapelfasern verharrten im gesamten Jahresverlauf 2012 auf niedrigem Niveau und erreichten im Juni mit USD 1,40 je kg ihren Jahrestiefstwert.

Viscosefaserpreise folgten dem Trend

Die Viscosestapelfaserpreise folgten 2012 mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung dem Preistrend aller anderen Fasern. Am weltgrößten Fasermarkt China notierten Standard-Viscosestapelfasern am Spotmarkt zu Jahresbeginn deutlich höher und sanken bis Jahresende um ca. 15%. Gegen Jahreswechsel 2012/13 erfolgte eine Konsolidierung des Abwärtstrends bei den chinesischen Viscosefaser-Spotmarktpreisen.

Viscosefasern konnten ihre Preisprämie gegenüber Baumwolle, die im langjährigen Schnitt bei 10% – 15% liegt, ab dem zweiten Halbjahr 2012 teilweise wieder behaupten.

Die gegenüber dem Vorjahr deutlich niedrigeren Viscosefaserpreise bei weniger stark gesunkenen Rohstoffpreisen führten zu Produktionskürzungen und Unterauslastungen bei einer Reihe von asiatischen Herstellern. Ein südeuropäischer Mitbewerber stellte zu Jahreswechsel die Produktion überhaupt ein.

1) Vgl. IWF, World Economic Outlook Update, 23. Jänner 2013
2) Quelle: Lenzing Market Intelligence
3) Quelle: CCFEI
4) Diese Maßzahl beschreibt die Verhältniszahl der Lagerbestände gegenüber dem tatsächlichen Verbrauch.