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Konzernlagebericht

Entwicklung der Lenzing Gruppe

Die Lenzing Gruppe konnte im Geschäftsjahr 2012 trotz der schwierigen Marktverhältnisse im Kerngeschäft Fasern das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielen. Dafür waren eine neue Faser-Verkaufsrekordmenge und die gute Performance der Spezialfasern Lenzing Modal® und TENCEL® verantwortlich.

Der konsolidierte Konzernumsatz sank im Vergleich zum Vorjahr leicht um 2,3% auf EUR 2,09 Mrd, nach EUR 2,14 Mrd. Dabei ist zu beachten, dass es durch den weiteren Ausbau bei der Zellstoffproduktion in Paskov (Tschechische Republik) zur Produktion von Faserzellstoff zu einem Rückgang des externen Umsatzes um etwa EUR 50 Mio gekommen ist. Ohne diesen Effekt wäre der Umsatz etwa auf Vorjahresniveau gelegen. Ursache für den stagnierenden Umsatz waren die gegenüber dem Boomjahr 2011 deutlich niedrigeren Faser-Durchschnittspreise. Diese Preisentwicklung konnte durch den kräftigen Anstieg der Faserverkaufsmenge um knapp 14% von zuletzt rund 712.000 Tonnen auf rund 810.000 Tonnen ausgeglichen werden.

Das Kernsegment Fasern steuerte 90,1% zum Umsatz bei, auf die beiden kleineren Segmente Plastics Products und Engineering entfielen 7,6% bzw. 2,2% und auf Sonstige 0,1% (nur externe Umsätze).

Umsatzaufteilung nach Segmenten

Lenzing Gruppe

Das Konzern-EBITDA (Ergebnis vor Abschreibungen, Amortisation, Zinsen und Steuern) lag mit EUR 358,7 Mio1 (nach EUR 480,3 Mio) um 25,3% unter dem bisherigen absoluten Rekordwert von 2011, aber über dem Wert des Jahres 2010 von EUR 330,6 Mio. Die EBITDA-Marge betrug 17,2% (nach 22,4% im Jahr zuvor). Das Verhältnis Nettofinanzverschuldung zu EBITDA betrug zum Bilanzstichtag 2012 knapp unter eins und war damit weiterhin sehr niedrig.

Trotz der stark gestiegenen Faserproduktions- und Verkaufsmenge erhöhten sich die Aufwendungen für Material und sonstige Herstellungsleistungen nur um 2,2% auf EUR 1,30 Mrd (nach EUR 1,28 Mrd). Ursache für den in Relation zur Produktions- und Verkaufsmenge unterproportionalen Anstieg waren in erster Linie die gegenüber 2011 deutlich gesunkenen Kosten für Zellstoff, den wichtigsten Rohstoff für die Fasererzeugung. Die Materialkosten betrugen insgesamt 62,3% des Umsatzes (nach 59,6% im Jahr zuvor).

Der Personalaufwand erhöhte sich um 7,2% von EUR 287,1 Mio im Geschäftsjahr 2011 auf EUR 307,8 Mio. Dies war einerseits auf den kräftigen Anstieg des Personalstandes bis zum Jahresende 2012 auf 7.033 Mitarbeiter (Ende 2011: 6.444) sowie andererseits auf die jährliche Lohn- und Gehaltserhöhungsrunde zurückzuführen. Der Personalaufwand betrug 14,7% (nach 13,4%) des Umsatzes.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen stiegen um 11,7% auf EUR 228,6 Mio (nach EUR 204,6 Mio). Dieser Anstieg ergab sich vor allem aus der höheren Faserversandmenge, die entsprechend höhere Frachtkosten und Kommissionen nach sich zog. Die Abschreibungen auf immaterielle Anlagen und Sachanlagen sanken um 11,1% von zuletzt EUR 120,6 Mio auf EUR 107,3 Mio. Der Rückgang resultiert insbesondere aus einem Basiseffekt aus dem Vorjahr, als einmalige Wertminderungen in Höhe etwa der Differenz auf Sachanlagen, insbesondere im Segment Plastics Products, vorgenommen wurden.

Das Konzern-Betriebsergebnis (EBIT) betrug im Geschäftsjahr 2012 somit EUR 255,0 Mio, was einem Rückgang von 29,9% gegenüber dem Vorjahreswert von EUR 364,0 Mio entsprach. Die EBIT-Marge machte 12,2% aus (nach 17,0% im Rekordjahr 2011).

Der Abgang aus Umstrukturierungen lag 2012 bei EUR 23,5 Mio (2011: null) und betraf die Stilllegungskosten des Joint Ventures mit der SGL Carbon und Kelheim Fibres, der European Precursor (EPG). Daraus errechnete sich ein EBITDA nach Umstrukturierungen in Höhe von EUR 352,4 Mio und eine EBITDA-Marge nach Umstrukturierungskosten von 16,9% des Umsatzes. Das EBIT nach Umstrukturierungen betrug EUR 231,5 Mio, entsprechend einer EBIT-Marge nach Umstrukturierungen von 11,1%.

Aufgrund des im Jahresverlauf stetigen Rückganges der Faserpreise lagen die operativen Margen in den ersten beiden Quartalen 2012 noch deutlich über jenen des dritten und vor allem des vierten Quartals. Die Umstrukturierungskosten fielen ausschließlich im vierten Quartal 2012 an.

Der Finanzerfolg nach Umstrukturierungen des Geschäftsjahres 2012 lag mit minus EUR 12,8 Mio weitgehend unverändert auf dem Niveau des vorangegangenen Geschäftsjahres von minus EUR 11,9 Mio. Die Durchschnittsverzinsung der Finanzverbindlichkeiten betrug 2012 3,0% (nach rund 3,2% im Jahr 2011). Die Ergebniszuweisung an kündbare nicht beherrschende Anteile nach Umstrukturierungen lag 2012 bei EUR 17,3 Mio (2011: EUR -0,2 Mio) und stellt im Wesentlichen jenen Verlustanteil an der EPG dar, der den Joint Venture-Partnern SGL Carbon und Kelheim Fibres zuzurechnen ist.

Somit ergab sich für die Lenzing Gruppe im Geschäftsjahr 2012 ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von EUR 246,4 Mio (nach EUR 351,9 Mio). Dies entsprach einem Rückgang von 30,0% gegenüber dem Rekordgeschäftsjahr 2011, aber einem Zuwachs von 13,6% gegenüber dem EBT des Geschäftsjahres 2010 von EUR 216,9 Mio.

Die Ertragssteuern nach Umstrukturierungen sanken von zuletzt EUR 84,6 Mio auf EUR 55,1 Mio im Geschäftsjahr 2012. Der Gewinn nach Steuern aus fortgeführten Geschäftsbereichen lag bei EUR 191,9 Mio (nach EUR 267,4 Mio), was auch der Periodengewinn war.

Der Anteil der Aktionäre der Lenzing AG am Jahresüberschuss lag bei EUR 186,6 Mio (nach EUR 258,7 Mio). Der Anteil der Aktionäre der Lenzing AG am Jahresüberschuss nach Umstrukturierungen belief sich auf EUR 175,6 Mio (2011: EUR 258,7 Mio). Dies entsprach einem Ergebnis je Aktie nach Umstrukturierungen von EUR 6,61 (nach EUR 9,88 im Rekordjahr 2011 und EUR 6,19 im Geschäftsjahr 2010).

Anhaltend gesunde Bilanzstruktur

Das bereinigte Eigenkapital der Lenzing Gruppe erhöhte sich zum Jahresende 2012 gegenüber Ende 2011 um 10,0% auf EUR 1.153,1 Mio (nach EUR 1.048,1 Mio). Dies entsprach einer bereinigten Eigenkapitalquote von 43,8% (nach 44,8%) der Bilanzsumme, die aufgrund der Rekordinvestitionen entsprechend angestiegen ist.

Die Nettofinanzverschuldung (Net Financial Debt) der Lenzing Gruppe stieg bis Jahresende 2012 auf EUR 346,3 Mio (nach EUR 153,3 Mio). Darin spiegelt sich insbesondere die umfangreiche Investitionstätigkeit zum Ausbau der Faser- und Zellstoffkapazitäten der Lenzing Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr, die Rekorddividende sowie die cash-wirksamen Steuerzahlungen wider. Das Net Gearing der Lenzing Gruppe lag mit 30,0% (nach 14,6% im Jahr 2011) weiterhin auf einem sehr niedrigen Wert, der auch unter jenem des Jahres 2010 von 40,5% zu liegen kam.

Die Lenzing Gruppe verfügte zum Bilanzstichtag 2012 über eine strategische Liquiditätsreserve in Höhe von EUR 528,8 Mio (nach EUR 499,6 Mio Ende 2011). Die zusätzlich noch zur Verfügung stehenden Kreditlinien betrugen Ende 2012 rund EUR 211 Mio. Der hohe Mittelbestand sichert die Umsetzung des laufenden Investitionsprogramms der Gruppe selbst bei einem volatilen Kapitalmarktumfeld ab.

Die CAPEX (Investitionen in Sachanlagen, immaterielle Vermögensgegenstände und nicht beherrschende Anteile) stieg im Geschäftsjahr 2012 plangemäß auf das Rekordniveau von EUR 346,2 Mio (nach EUR 196,3 Mio). Dies inkludiert den Erwerb der restlichen Anteile am Zellstoffwerk in Paskov (EUR 26,6 Mio).

Schwerpunkte der Investitionstätigkeit waren die Fertigstellung der fünften Produktionslinie bei der indonesischen Tochter PT. South Pacific Viscose (SPV) am Standort Purwakarta, das Debottlenecking-Programm2 im Werk in Nanjing (China), die Kapazitätserweiterungen beim TENCEL® Werk in Mobile/Alabama (USA), Erweiterungsinvestitionen am Standort Lenzing sowie der Baubeginn der TENCEL® Großanlage in Lenzing. Hinzu kamen noch Investitionen in den weiteren Umbau des Zellstoffwerkes Paskov (Tschechische Republik).

1) Alle Ergebnisgrößen vor Umstrukturierungen, außer explizit anders angegeben
2) Steigerung der Produktionskapazität bestehender Anlagen durch Beseitigung von Engpässen