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Konzernlagebericht

Forschung und Entwicklung

Lenzing setzt seit Jahrzehnten Maßstäbe in der Man-made Cellulosefaserindustrie und versteht sich in diesem Bereich als Taktgeber für die gesamte Branche. Die laufende Forschungs- und Entwicklungsaktivität garantiert, dass Lenzing seine Position als Technologie- und Innovationsführer auch in Zukunft absichern kann. Rund 160 Mitarbeiter forschen am Standort Lenzing kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Prozesstechnologien im Zellstoff- und im Faserbereich (Viscose, Modal, Lyocell/TENCEL®), aber auch an neuen Applikationen für Lenzing Fasern.

Da eine kurze Zeitspanne von der Entwicklung bis zur Produkteinführung insbesondere im Business-to-Business-Bereich einen Wettbewerbsvorteil darstellt, ist die Forschung und Entwicklung bei Lenzing in die einzelnen Business Units integriert. So ist eine marktnahe und an Kundenbedürfnissen orientierte Produktentwicklung garantiert.

Im Geschäftsjahr 2012 investierte die Lenzing Gruppe EUR 28,3 Mio (2011: EUR 27,2 Mio) in Forschung und Entwicklung (berechnet nach Frascati).

Prozessverbesserungen

Im Bereich der Prozessinnovation lag 2012 ein Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung der TENCEL® Technologie mit dem Ziel, Qualitätsoptimierungen zu erreichen und die spezifischen Investitionskosten sowie die Produktionskosten zu senken. In der Viscose- und Modalfaserherstellung konzentrierte sich Lenzing im Berichtsjahr auf eine weitere Reduktion der Abwasserbelastung durch zusätzliche Kreislaufschließungen und die Rückgewinnung eingesetzter Chemikalien. Wo immer möglich und sinnvoll, wurde im Rahmen von Forschungskooperationen an Prozessverbesserungen geforscht. So untersuchte Lenzing in kooperativen Projekten mit anderen Zellstoffherstellern und der Universität für Bodenkultur in Wien, wie ungewollt farbgebende Substanzen entstehen und wie diese zur Verbesserung der Faserqualität vermieden werden können. Ein K-Projekt im COMET-Programm* widmete sich der Entwicklung neuer Online-Messverfahren für kürzere Reaktionszeiten bei Störungen sowie der Einsparung von Chemikalien und der Qualitätskontrolle. Durch die langjährige Forschung zu Chemikalienrückgewinnung und Kreislaufschließungen im Produktionsprozess konnte im Jahr 2012 mit Schwersodagranulat ein neues Co-Product zur Marktreife gebracht werden.

Deutliche Fortschritte wurden 2012 beim Entwicklungsprojekt TencelWeb™ erzielt. Die Besonderheit dieser neuen Technologie liegt in der Herstellung von Vliesstoffen direkt aus der Spinnlösung. Dadurch weisen die so produzierten Vliesstoffe ein besonders geringes Flächengewicht auf und besitzen einen hohen Mikrofaseranteil. Im Berichtsjahr wurde mit dem Ausbau der Pilotanlage für TencelWeb™ als nächstem Schritt in Richtung Kommerzialisierung begonnen.

TENCEL® Technologie-Initiative

Begleitend zur zukünftigen Erweiterung der Produktionskapazität für TENCEL® am Standort Lenzing wurde die Weiterentwicklung der Lyocelltechnologie mit hoher Priorität vorangetrieben. Ein neu entwickeltes Konzept, welches erstmals an der TENCEL® Großanlage in Lenzing realisiert werden wird, soll Kapazitätsvorteile bei geringeren spezifischen Investitionskosten ermöglichen.

Neue Pilotanlage

Im Herbst 2012 nahm Lenzing eine zweite TENCEL® Pilotanlage für Hochtechnologieanwendungen in Heiligenkreuz in Betrieb. Die neue Pilotanlage dient der Entwicklung von Faserprodukten für elektrische High-Tech-Anwendungen, insbesondere im Bereich Energiespeicherung, und soll vielversprechende Laborergebnisse auf ein industrielles Niveau bringen. Wegen der besonderen Faserstruktur von TENCEL® kann durch Karbonisierung ein Material mit besonders hoher Ladungsdichte hergestellt werden.

Bündelung der Kräfte in der Zellstoffforschung

2012 wurden die Innovationsaktivitäten für die Business Unit Pulp gebündelt und neu strukturiert. Schwerpunkte der Entwicklungen lagen erstens auf der Prozesstechnologie für die bestehenden Zellstoffstandorte. In Paskov wurden unter anderem der weitere Mengen- und Qualitätshochlauf für Faserzellstoff unterstützt und die Technologieentwicklung für die kommende Umstellung auf völlig chlorfrei gebleichte Qualitäten durchgeführt. In Lenzing wurden Innovationen zur erhöhten Ressourceneffizienz im Bereich Kochereichemikalien im Betriebsmaßstab erfolgreich getestet. Zweiter Fokus waren Projekte zur kurz- und mittelfristigen kosteneffizienten und hochqualitativen Zellstoffversorgung der Lenzinger Faserstandorte in Abstimmung auf die Viscosefaser- und TENCEL® Produktion. Im dritten Schwerpunkt wurden die Entwicklungen für das neue Co-Product Schwersoda in den Betriebsmaßstab überführt und die ersten Kundenbelieferungen begleitet. Weitere Aktivitäten für zukünftige Co-Products wurden gestartet.

Biokunststoffe bei Plastics

Im Segment Plastics Products lag ein Forschungsschwerpunkt 2012 auf der Erforschung von Biokunststoffen zur Optimierung der Produktpalette. So konnte im Berichtsjahr bereits ein bestehendes Bändchenprodukt von Erdölbasis auf Biokunststoff umgestellt werden.

*) Competence Centers for Excellent Technologies; www.ffg.at/comet